Cannabis als medizin

Cannabis als medizin

In Deutschland fällt Cannabis unter das Betäubungsmittelgesetz. Deshalb sind der Verkauf, der Besitz und der Anbau von THC-haltigem Hanf für den Normalbürger verboten. Lediglich wenn Cannabis als Medizin angewandt wird, sind der Besitz und theoretisch auch der Anbau erlaubt. Dazu sind Ausnahmegenehmigung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) notwendig. Knapp 400 Menschen besitzen deutschlandweit derzeit die Erlaubnis, Cannabis-Medizin aus der Apotheke zu erhalten.

Wofür wird Cannabis in der Medizin verwendet? 

Die schmerzstillenden Substanzen der Pflanze, die sogenannten Cannabinoide, sorgen dafür, dass Konsumenten weniger Schmerzen empfinden. Diese Stoffe wirken auch, ohne den psychoaktiven Effekt des Tetrahydrocannabinol (THC)hervorzurufen. Zudem lösen die Inhaltsstoffe, darunter auch Cannabidiol (CBD), Spannungen des Muskelapparats und wirken Entzündungen und Zelltod entgegen. Dadurch hat der Cannabiskonsum auf viele Krankheitsbilder einen positiven Einfluss. Die häufigsten Diagnosen für eine Ausnahmegenehmigung des BfArM sind laut Hanfverband:

Chronische Schmerzen

Multiple Sklerose

ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) 

Tourette-Syndrom

Depressionen

Theoretisch sind aber noch viele weitere Diagnosen zulässig. Dazu zählen Beschwerden des Muskelapparats wie Krämpfe, Spasmen oder Zittern. Die leicht sedierende Wirkung einiger Hanfsorten kann zudem Schlafstörungen beheben. Auch die Nebenwirkungen der AIDS- und Krebsbehandlung wie Übelkeit und Appetitlosigkeit können durch die Wirkstoffe der Pflanze positiv beeinflusst werden. Hanf hat eine entzündungshemmende Wirkung. Aus diesem Grund könnte Cannabis als Medikament gegen entzündliche Darmerkrankungen und rheumatische Leiden eingesetzt werden. Dadurch ließen sich nicht nur die entzündlichen Prozesse der betroffenen Stellen behandeln, sondern dank der schmerzstillenden Eigenschaften von Cannabis auch die reißenden und ziehenden Schmerzen lindern. Gleiches gilt für die starken Kopfschmerzen bei einer Migräneattacke. 

Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt, dass der Konsum von Cannabis den Augeninnendruck senkt. Das verschafft den Menschen Linderung, die unter einem Glaukom (umgangssprachlich auch Grüner Star) leiden. Wird die Erkrankung des Sehnervs nicht behandelt, kann das Auge sogar erblinden. 

Welche Sorte Cannabis wird als Medizin in Deutschland verwendet?

Welche Sorte  Cannabis als Medizin für die Selbsttherapie verwendet wird, hängt von der Erkrankung und deren Symptomen ab. Es gibt Sorten mit einem hohem THC- und einem geringen CBD-Gehalt, Strains mit einem niedrigen THC- und einem hohem CBD-Gehalt sowie Pflanzen, in denen beide Wirkstoffe zu gleichen Teilen enthalten sind. Bei Schmerzpatienten und solchen, die auf die sedierende Wirkung von Hanf setzen, spielt oft der Anteil an Cannabidiol eine größere Rolle. Diese Pflanzen gehören häufig zur Art Cannabis Indica, beispielsweise die Sorte Northern Light. Das starke körperliche High wirkt auf Muskeln und Geist, wodurch Schmerzen und Angstzustände gelindert werden. Die Sorte Haze führt hingegen zu einem Hochgefühl. Der Strain gehört zur Art Cannabis Sativa und enthält einen hohen Gehalt an THC. Diese psychoaktive Substanz wirkt stark stimmungshebend und appetitanregend. Hybride aus Sativa- und Indica-Genetiken vereinen beide Wirkweisen. Bei der White Widow etwa verspürt der Konsument zunächst ein entspannendes Körper-High und anschließend ein anregendes Kopf-High. 

Seedbanks bieten pflegeleichte Hanfsorten für den Eigenanbau an 

Im Sommer 2014 fällte das Verwaltungsgericht Köln ein wegweisendes Urteil für den Anbau von Medizinalhanf. Drei der klagenden Patienten wurde das Recht zugesprochen, Cannabis als Medizin zu ihrer eigenen Behandlung selbst anzubauen, ein Novum in Deutschland. Der Gegenkläger, das BfArM, ging in Berufung, sodass der Anbau bisher noch nicht möglich ist. Sollte es letztendlich zu einer Freigabe kommen, finden Patienten bereits eine große Auswahl einfach zu kultivierender Hanfsorten bei Seedbanks vor. Dazu gehören vor allem feminisierte Samen, deren Anbau schneller und einfacher gelingt, da aus ihnen ausschließlich die weiblichen, zum Konsum geeigneten Pflanzen entstehen. Körperlich geschwächte Patienten profitieren von der pflegeleichten Zucht dieser Strains. Eine andere Möglichkeit bietet der selbstblühende Cannabis als Medizin. Er wird auch autoflowering oder automatic genannt, da er unabhängig von der einwirkenden Lichtmenge zu blühen beginnt. Dadurch könnten die Züchter auf die manuelle Regelung der Beleuchtungszeit verzichten. Zudem reifen diese Hanfsorten schneller als anderen Arten heran, sodass vergleichsweise schnell geerntet und konsumiert werden kann.

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