Ist Cannabis als angstlösendes Medikament sicherer als Benzodiazepine?

Published : 05.04.2019 11:04:18
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Ist Cannabis als angstlösendes Medikament sicherer als Benzodiazepine?

Wie sich herausstellt, kann “going green” nicht nur in der Küche von Vorteil sein.

Wenn du zufällig anfangs oder ende dreißig bist, ist die Wahrscheinlichkeit statistisch höher, dass bei dir Angstzustände oder Depressionen diagnostiziert werden. Du bist auch statistisch gesehen eher mit einer Person bekannt, die Selbstmord begangen hat oder an einer Drogenüberdosis gelitten hat. Auch ist die Wahrscheinlichkeit aufgrund deines Alters höher, dass du selber eine Sucht hast. Donnerwetter – wer hat da schon Lust auf das Erwachsenwerden? 

Diese scheinbar unzusammenhängenden Fakten sind nicht gerade ermutigend. Sollten die genannten Punkte jedoch auf dich zutreffen, hast du wahrscheinlich bereits mit einem Arzt über Möglichkeiten der Behandlung, beispielweise von Angstzuständen oder Depressionen, gesprochen. Oder vielleicht hast du bereits eine Sucht bekämpft. Solltest du einer der Millionen US-Amerikaner sein, die unter Angstzuständen leiden, bist du sehr wahrscheinlich gut damit vertraut, was Benzodiazepin ist. 

Eine der Standardbehandlungen bei Angstzuständen bei Erwachsenen ist die Verschreibung von Benzodiazepinen. Obwohl sie nicht mehr so beliebt sind wie in den späten 90er und frühen 00er Jahren, sind Xanax, Ativan, Valium, Klonopin und ein Dutzend weitere noch immer in Medizinschränken in den USA zu finden. Die "Heilung" von Ängsten hat sich im Laufe der Zeit dramatisch verändert seitdem Angststörungen in den USA als legitime Krankheit anerkannt wurde. In der Zeit des Viktorianischen Reiches wurde die Masturbation verschrieben um Ängste und Sorgen zu lindern. Kurz darauf hofften die Wissenschaftler, dass große Mengen an flüssigem Opium die Probleme lindern würden, die die Selbststimulation nicht lösen konnte. Als die 1950er Jahre starteten, wurde das fortgesetzt, was ein Jahrzehnt zuvor begonnen worden war, und mithilfe intensiver Medikamente wie der berüchtigten Quaalude, wurde versucht, Ängste und Sorgen zu heilen. 

In den frühen 60er Jahren gab es einen kurzen Zeitraum in dem Forscher die möglichen positiven Auswirkungen der Verwendung von "Naturheilmitteln" wie Cannabis und DMT untersuchten. Dies führte zu einigen ermutigenden Ergebnissen aber die Studien waren selten und wurden praktisch nicht finanziert. Antidepressiva rückten wieder in den Mittelpunkt und deren stark beruhigende Wirkung wurde gelobt – zumal sie als Muskelentspannungsmittel einen neumodischen Anstrich bekamen. Ende der 70er Jahre waren Benzodiazepine weltweit die am häufigsten verschriebenen Medikamente. 

In letzter Zeit sind einige schwerwiegende Bedenken hinsichtlich der Sicherheit bei der langfristigen Anwendung dieser Medikamente aufgetreten. Es gibt eine große Diskussion darüber, ob die Medikamente für ältere Menschen oder für schwangere Frauen verschrieben werden sollten oder nicht. Die Gründe dafür sind die verhängnisvollen Nebenwirkungen von Benzodiazepinen. Das hat dazu geführt, dass die jüngste Generation von Patienten mit Angststörungen brauchbare Alternativen fordert.

Wer bekommt Angststörungen?

Die Antwort ist simpel: Alle. So ziemlich jede und jeder kann von Angststörungen betroffen sein. Tatsächlich kann die erfolgreiche Identifizierung des emotionalen oder physiologischen Auslösers für Ängste einer der kompliziertesten Schritte der Diagnose sein, die eine Person durchläuft. Während Angststörungen eine Reihe von Eigenschaften haben, die sie von vielen anderen Arten von emotionalen Störungen unterscheiden, fungiert der Begriff “Angststörungen” selbst immer noch als ein ziemlich großer Regenschirm. Als Auslöser für Angsterkrankungen können eine Reihe von verschiedenen internen und externen Faktoren genannt werden. Umweltfaktoren, Genetik, Neurochemie, frühere physische oder emotionale Traumata und sogar die Verwendung anderer Medikamente können dazu dienen, Ängste auszulösen.

Selbst kleine Stressfaktoren, die wir täglich als normal betrachten würden, können Symptome von Angststörungen sein oder dazu werden. Vor allem, wenn der Stress im Laufe von Wochen oder Monaten auf hohem Niveau stattfindet. So ziemlich jeder, der jemals die Pubertät erlebt hat, einen Job hat oder gerne mal Kaffee oder Cocktails genießt, hat ein ziemlich hohes Risiko, Angststörungen zu entwickeln. Klingt nach jemandem, den du kennst? Genau, das dachten wir uns nämlich auch.

Warum funktionieren Benzodiazepine?

Benzodiazepine wirken durch Steigerung der Effizienz von GABA (Gamma-Aminobuttersäure), einem Neurotransmitter, der die Reizbarkeit von Neuronen verringert. Auf Gutdeutsch: Benzodiazepine wirken, indem sie die Wirkung von etwas Hirnsaft, der sich in den Zellen befindet, verstärken damit sich diese ein wenig entspannen und nicht mehr so viel quatschen. Neuronen, insbesondere im Gehirn, kommunizieren über Zwischenräume miteinander. Das Ende eines Neurons sendet Chemikalien aus, die sich dann an den Anfang des nächsten Neurons binden. Auf diese Weise ist jedes Neuron in der Lage sich mit den nebenliegenden zu unterhalten.

Sowohl der Anfang als auch das Ende von Neuronen haben verschiedene "Pforten", die bestimmte Arten von Neurotransmittern durchlassen. Neurotransmitter sind die Substanzen im Gehirn, die diese spezifischen funktionellen Botschaften weiterleiten. Diese Tore öffnen und schließen sich bei Bedarf und lassen nur die Chemikalien zu, die für die Übermittlung bestimmter Botschaften benötigt werden. Es gibt also bestimmte Gehirnflüssigkeiten, die wie Türsteher wirken und entscheiden, wann, wie oft und für wen die Tore geöffnet werden. Sowohl GABA als auch Benzodiazepine arbeiten als Torwächter. Bestimmte Neurotransmitter sind spezielle motorische Mäuler, die mit einer verrückten Geschwindigkeit um die Botschaften herum schießen. Andere sind ziemlich entspannt und ruhig - nicht so "gesprächig". Je entspannter und ruhiger die Neurotransmitter sind, desto schwieriger ist es, mehrere Nachrichten zu versenden. Je mehr motorische Mäuler man hat, desto "stimulierter" werden die Neuronen, was es umso einfacher macht, eine Menge Nachrichten zu übermitteln.

Insbesondere Benzodiazepine ermöglichen einen enormen Zufluss dieser entspannten und ruhigen Neurotransmitter, wodurch die Übermittlung von Nachrichten erschwert wird. Wenn du jemals ein Benzodiazepin eingenommen hsat, kannst du das wahrscheinlich bestätigen, da “Benzos” im Allgemeinen die Tendenz haben, dass sich die Menschen entspannt, schläfrig und lethargisch fühlen.

Was ist bedenklich an Benzodiazepinen?

Das klingt doch ziemlich gut, oder? Ich meine, wer würde nicht wollen, dass ein Haufen entspannter Gehirnflüssigkeiten das Bewusstsein durchtränkt? Doch es gibt ein massives Problem mit dem langfristigen Einsatz von Benzodiazepinen. Die Wahrscheinlichkeit einer Sucht und schwerer Entzugskomplikationen ist unglaublich hoch. Abgesehen davon, dass sie wirksam darin sind den Geist zu entspannen, verursachen sie unerwünschte Nebenwirkungen wie Schwindel, Schläfrigkeit, Koordinationshemmung, verminderte Aufmerksamkeit und Konzentrationsschwäche. Die regelmäßige Verwendung von Benzodiazepinen ist aus den gleichen Gründen gefährlich, weshalb durchgehender Alkoholkonsum gefährlich ist.

Im schlimmsten Fall können Benzodiazepine zu einer gefährlichen Beeinträchtigung der Atmung, zum Koma oder sogar zum Tod führen – und diese Fälle treten nicht so selten auf, wie man erhofft. 

Tatsächlich hatten stationäre Behandlungen, bei denen Benzodiazepine verabreicht wurden, eine 66% höhere Wahrscheinlichkeit für ein ernsthaftes gesundheitsschädliches Folgerisiko. Es gibt auch neuere Belege dafür, dass der langfristige Benzodiazepinkonsum mit der späteren Entwicklung von Demenz verbunden ist und zu einer erhöhten Wahrscheinlichkeit von Selbstmordverhalten führt. Das bedeutet, dass ein kurz wirkendes Medikament, das zur kurzfristigen Behandlung einer psychischen Störung verschrieben wird, tiefgreifende und dauerhafte negative Auswirkungen auf das gesamte Leben eines Menschen haben kann. 

Das Missbrauchspotenzial für Benzodiazepine wird von der DEA erkannt, aber sie sind immer noch als Medikament der Klasse IV (relativ geringes Missbrauchspotenzial und akzeptable medizinische Anwendung) eingestuft. Benzodiazepine halten sich als die am häufigsten verschriebene Anti-Angst-Sedativ/Hypnose-Behandlung in den USA auf dem Markt. Außerdem ist es auffällig, dass die Benzodiazepine, die am häufigsten verschrieben werden auch zufällig die häufigsten Medikamente sind, die auf illegalen Märkten verkauft werden. Das geht bereits so weit, dass dort im Zusammenhang mit einigen Benzosorten zu Strafen kommen kann, obwohl diese eigentlich als Klasse IV eingestuft sind. 

Ist Cannabis eine zuverlässige Alternative?

Es ist offensichtlich, warum Menschen nach einer weniger aggressiven Lösung für ihre Ängste suchen. Die ganze Grundlage der Erkrankung liegt in unnötiger Sorge und allgemeiner Nervosität. Man ist geprägt von überwältigenden Gefühlen der Angst oder dem unerschütterlichen Gefühl, dass etwas Schreckliches passieren wird. Benzodiazepine dämpfen zwar die Fähigkeit des Gehirns, diese Botschaften des Unbehagens zu senden und wahrzunehmen, schaffen jedoch auch realistische Bedenken hinsichtlich der individuellen Gesundheit und des Wohlbefindens der Person. Es ist also verständlich, dass viele Angstpatienten nach einer Alternative suchen.

Durch die Legalisierung von Cannabis in mehreren Ländern und Staaten werden immer mehr Menschen, die unter Angststörungen leiden, dazu ermutigt, sich mit den psychisch beruhigenden Wirkungen von Cannabis zu befassen. 

Aber funktioniert das auch wirklich?

Nun ja, manchmal. Es gibt viele Faktoren, die daran beteiligt sind, wie Cannabis tatsächlich innerhalb des Körpersystems funktioniert. Während einige Menschen von Gefühlen der Entspannung und allgegenwärtigen Ruhe berichten, berichten andere von einer Zunahme ihrer grundlegenden Ängste. Dies kann mit der Marihuanasorte, die konsumiert wird, oder den individuellen Reaktionen des Körpers auf den THC-Gehalt zusammenhängen.

THC (Tetrahydrocannabinol) ist eines von vielen Cannabinoiden die in Marihuana enthalten sind. Es ist der primäre Psychoakkumulator in Cannabis. THC wirkt im Körper, indem es sich an THC-Rezeptoren im zentralen Nervensystem anlagert. Während Benzodiazepine im Allgemeinen Botenstoffe im Gehirn selbst beeinflussen, führt THC zu einer Abnahme der Konzentration von cAMP, einem sekundären Botenmolekül, das Nachrichten beeinflusst, die zwischen Zellen im Körper gesendet werden. Eine Abnahme der Konzentration von cAMP reduziert die zelluläre Aufnahme von Dingen wie Hormonen, Glukagon und Adrenalin. Wenn dies nicht verwirrend genug ist - THC gilt auch als "nicht-selektiv", d.h. es kann eine Reihe von verschiedenen Systemen auf unterschiedliche Weise beeinflussen. Das erklärt, warum einige Leute über Gefühle der Ruhe berichten, während andere über Gefühle erhöhter Angst berichten. Es kann auch tatsächlich dazu dienen, das Behandlungsfenster von THC zu verbessern (oder die Fähigkeit des Medikaments, eine Reihe verschiedener Probleme zu beheben). 

Trotz oder gerade wegen dieser breiten (und weitgehend missverstandenen) therapeutischen Anwendung stuft die DEA THC immer noch als ein Medikament der Kategorie II oder III ein. Das tut sie aufgrund der Tatsache, dass es nicht viele "derzeit akzeptierte medizinische Anwendungen" des Medikaments gegeben hat. THC führt im Gegensatz zu seinem Benzodiazepin-Gegenstück mit einer extrem geringen Wahrscheinlichkeit zur und hat wenige oder keine negativen gesundheitlichen Auswirkungen. Das bedeutet also, dass, obwohl es unwahrscheinlich ist, dass man süchtig nach THC wird, es außerdem auch unwahrscheinlich ist, an wiederholter Anwendung von THC zu sterben, und es unwahrscheinlich ist, dass es schädliche gesundheitliche Auswirkungen verursacht, THC immer noch stärker reguliert ist als sein Benzodiazepin-Gegenstück.

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